Peter Meanwell

Nach dem Radio

„Die Vorstellung, Ideen mittels Sound an ein breites Publikum zu vermitteln, kann für künstlerische Projekte momentan sehr interessant sein.“

Der Radiomacher und Kurator Peter Meanwell setzt Klang und die verschiedenen Möglichkeiten seiner Übertragung in Bezug zu mit Räumen, Publikum und diversen Ideen. Unser Verständnis vom Hören ändert sich gerade radikal. UKW-Geräte werden allerorten entsorgt. Meanwell sucht vor diesem Hintergrund nach neuen Wegen, die kommunikativen und diskursiven Potenziale von Radio im Kontext von Kunst und Musik fruchtbar zu machen. Dabei begreift er Radio als eine Infrastruktur ebenso wie als künstlerisches Mediums oder einen performativen Raum. Klang ist für ihn ein Werkzeug mit der Fähigkeit, verschiedene Öffentlichkeiten miteinander in Bezug zu setzen und dabei räumliche wie zeitliche Abstände zu überbrücken – ein fantastischer Weg also, Verbindungen zwischen scheinbar disparaten Gruppen zu bilden.

 

 

Als Kurator und Produzent möchte Meanwell Radio neu ausrichten als Werkzeug für Künstler wie auch für Kunstinstitutionen. Er weiß, dass der herkömmliche Umgang mit Radio nicht mehr funktioniert. „Ich denke, wir befinden uns an einem interessanten Punkt, an dem sich die Vorstellung von Radio verändert. Das, was wir machen, wird heute auf ganz andere Art und Weise aufgenommen“, sagt Meanwell. Er verwahrt sich dagegen, die Kraft von Klang als etwas Vergangenes zu betrachten: „Radio mag gerade zu etwas völlig Anderem werden – aber es handelt sich dabei immer noch um eine überzeugende Idee und ein vielseitiges Medium.“ Vom „modernen Radio“ zu sprechen ist für Meanwell kein Widerspruch in sich – sondern vielmehr ein transformatives Ziel, das realisiert werden kann und soll.

Meanwell hofft, dass diese Transformation auch für seinen „Mentee“ von Bedeutung ist. Er ist auf der Suche nach jemandem, der ebenso wie er an neuen Möglichkeiten interessiert ist, Menschen durch Klang zu erreichen – ohne dabei der Idee, was Radio ist oder sein kann, Grenzen zu setzen. Meanwells „Mentee“ kann Komponist sein, Autor oder bildender Künstler, Radiomacher oder etwas ganz Anderes. Was ihm für die Arbeit bei Forecast wichtig ist: Dass das Mentoring-Tandem einen Austausch innovativer Ideen hervorbringt.

 

 

Peter Meanwell hat für die Tate, für Artangel und für die Serpentine Galleries an Konzepten von Radio gearbeitet. Seine Arbeit war 2016 im Albanischen Pavillon auf der Architekturbiennale von Venedig zu sehen, im Hordaland Kunstsenter, bei Aldeburgh Music, Dark Ecology und auf dem Tone-Festival; er war an der Publikation Drawing Room Confessions der Whitechapel Gallery, der South London Gallery und von Matt’s Gallery beteiligt. Meanwell ist künstlerischer Direktor von Borealis, einem Festival für experimentelle Musik in Bergen, Norwegen, und Direktor der Produktionsfirma Reduced Listening. Er gibt Radiokurse bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt, schreibt für Wire und Frieze und hat an der School for Oriental and African Studies in London unterrichtet. Er war zehn Jahre für die BBC als Radioproduzent aktiv und produzierte während dieser Zeit Orchester- und Opernaufnahmen und arbeitete an ethnografischen Feldaufnahmen, Kulturdokumentationen und experimentellem Radio.

Peter Meanwell über sein Feld
und sein Interesse als Mentor

Mehr über Peter Meanwells Arbeit gibt es auf Reduced Listening und Borealis Festival.