Saverio Cantoni

Organism 518400

 

Wie definiert man Raum? Und wie Handlungsfähigkeit? Mit seiner Arbeit Organism 518400 schafft der in Berlin lebende Saverio Cantoni eine Umgebung, die durch alles, was sie enthält, aktiviert wird – durch ihre Besucher wie durch leblose Objekte, durch Materielles ebenso wie durch nicht Gegenständliches. Cantoni untersucht, was lebende Materie („living matter“) wirklich ausmacht. So deutet Cantoni an, dass auch ein kabelloses Netzwerk, das unsichtbar Raum aufteilt, als handlungsfähiges Subjekt erscheinen kann. Die Situation, die Cantoni im HKW evoziert, beinhaltet unvorhersehbare Variationen, die unsere Wahrnehmung des scheinbar Gewohnten zu destabilisieren versuchen. Gleichzeitig sind sie eine Einladung, der Verschmelzung von Subjekt und Objekt auf den Grund zu gehen.

Cantoni hat die Voraussetzungen lebender Materie mit der Künstlerin Laura Lima diskutiert, seiner Mentorin in der Kategorie Living Matter. Ihre Gespräche kreisten um die zentrale Frage, ob etwas organisch sein muss, um Handlungsfähigkeit zu besitzen. Aus diesem Grund entschieden Beide, eine Arbeit zu schaffen, die untersucht, wo die Grenze zwischen lebender und nicht-lebendiger Materie verläuft. In diesem Prozess widmeten sie sich auch der Frage, ob auch leblosen Objekten Handlungsfähigkeit zugesprochen werden kann, und sie so einen Subjektstatus erhalten.

Cantonis Arbeit, die im Oktober auf dem Forecast Festival vorgestellt wird, besteht aus einer Umgebung, die von allem, was sie umgibt, aktiviert wird und sich so in eine inszenierte Situation verwandelt. Ein Netzwerk verlinkt alles und jeden, der den nicht wahrnehmbaren Rahmen dieser Umgebung übertritt. Gleichzeitig wird sie zu einem Katalysator für Zuschauer, die den sie umgebenden Raum untersuchen, während sich hier unvorhersehbare Ereignisse abspielen. An diesem Nicht-Ort werden Ereignisse, die vielleicht wie Fehler erscheinen, den Blick der Besucher auf ihre Umwelt verändern.

 

Foto: Saverio Cantoni